Gottmensch ist in
Hegels Religionsphilosophie
[1] Grundbegriff der Christologie, insofern in ihm die wesentliche Einheit der göttlichen und menschlichen Natur ausgedrückt ist. Daß «Christus in der Kirche der G. genannt worden» sei, gilt keineswegs allgemein. Der Begriff
θεάνθρωπος stammt von
Origenes[2] und kommt in der späteren griechischen Theologie nur vereinzelt vor, ebenso in der lateinischen, schon weil hier die Sprache eine solche Wortbildung eigentlich nicht zuläßt
[3]. Zudem versagt er sich den Differenzierungen der kirchlichen Zweinaturenlehre. Gerade diese dogmatische Unbestimmtheit im Verein mit der Tatsache, daß
J. Böhme, im Sinne der Mystik, vom vollkommenen Menschen als ‹G.› gesprochen hatte, erklärt, warum ‹G.› in der deutschen
Literatur des 18. Jh. beliebt wurde
[4]. Daneben findet sich der Begriff häufiger in der protestantischen Orthodoxie, und zwar in der griechischen Wortform
[5]. Hier knüpfte Hegel an. Er wurde besonders von
D. F. Strauss[6] und
Kierkegaard[7] kritisiert, doch lebte der Begriff in der spekulativen Christologie des 19. Jh. und z.B. noch in
Harnacks Dogmengeschichte nach, ehe er sich verlor.