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Gottmensch

Gottmensch 1423 10.24894/HWPh.1423 Martin Elze
Theologie theanthropos (θεάνθρωπος)
Gottmensch ist in Hegels Religionsphilosophie [1] Grundbegriff der Christologie, insofern in ihm die wesentliche Einheit der göttlichen und menschlichen Natur ausgedrückt ist. Daß «Christus in der Kirche der G. genannt worden» sei, gilt keineswegs allgemein. Der Begriff θεάνθρωπος stammt von Origenes[2] und kommt in der späteren griechischen Theologie nur vereinzelt vor, ebenso in der lateinischen, schon weil hier die Sprache eine solche Wortbildung eigentlich nicht zuläßt [3]. Zudem versagt er sich den Differenzierungen der kirchlichen Zweinaturenlehre. Gerade diese dogmatische Unbestimmtheit im Verein mit der Tatsache, daß J. Böhme, im Sinne der Mystik, vom vollkommenen Menschen als ‹G.› gesprochen hatte, erklärt, warum ‹G.› in der deutschen Literatur des 18. Jh. beliebt wurde [4]. Daneben findet sich der Begriff häufiger in der protestantischen Orthodoxie, und zwar in der griechischen Wortform [5]. Hier knüpfte Hegel an. Er wurde besonders von D. F. Strauss[6] und Kierkegaard[7] kritisiert, doch lebte der Begriff in der spekulativen Christologie des 19. Jh. und z.B. noch in Harnacks Dogmengeschichte nach, ehe er sich verlor.
[1]
Hegel, Werke, hg. Lasson 3, 142.
[2]
Origenes, De principiis II, 6, 3.
[3]
Vgl. aber Augustin, De catechizandis rudibus 4, 8; Gregor der Grosse, Homil. in Ez. I, 8, 24; II, 1, 4; 2, 5; Anselm von Canterbury, Cur deus homo II, 6f. 22.
[4]
Belege in Grimms Wb. der dtsch. Sprache.
[5]
C. F. Sartorius: Compendium theologiae dogmaticae (Tübingen 1777) §§ 236ff.; zu Hegels Kenntnis dieses Werkes vgl. Hegelstudien 5, 57.
[6]
D. F. Strauss: Das Leben Jesu (41840) II, §§ 150f.
[7]
S. Kierkegaard, z.B. Einübung im Christentum 2. Teil.