3.
Quantifizierte M. (
modale Prädikatenlogik). – Zu den umstrittensten und zugleich philosophisch interessantesten Entwicklungen in der Geschichte der modernen M. gehört die Erweiterung der modalen Aussagenlogik zu einer modalen Prädikatenlogik, die auch als «quantifizierte M.» bezeichnet wird
[1]. Diese Entwicklung ist vor allem den bahnbrechenden Arbeiten von Ruth
Barcan Marcus zuzuschreiben, die 1946 damit begann, die Systeme
S2 und
S4 zu quantifizierten Modalkalkülen auszubauen
[2]. Dabei führte sie als eines ihrer zusätzlichen Axiome die später nach ihr benannte Barcan-Formel
◊
x f(
x) ⊰
x ◊
f(
x)
ein, die mit der Formel
x □
f(
x) ⊰ □
x f(
x)
äquivalent ist
[3]. Zusammen mit ihrer Umkehrung erlaubt diese umstrittene Formel eine Umkehrung der Reihenfolge, in der ein Möglichkeitsoperator und ein Existenzquantor (bzw. ein Allquantor und ein Notwendigkeitsoperator) aufeinanderfolgen. Nach der gegenständlichen Auffassung der Quantifikation (der Barcan Marcus allerdings eine «substitutionelle» Interpretation vorzieht
[4]) besagt die Barcan-Formel, daß es dann, wenn es möglicherweise einen Gegenstand gibt, der eine bestimmte
Eigenschaft besitzt, einen Gegenstand gibt, der diese Eigenschaft möglicherweise besitzt (bzw. daß dann, wenn alle Gegenstände eine bestimmte Eigenschaft notwendigerweise besitzen, notwendigerweise alle Gegenstände diese Eigenschaft besitzen).
Werden die quantifizierten Modalkalküle, denen
R. Carnap 1946 erstmals eine quantifizierte Spielart des Systems
S5 zur Seite stellte
[5], um ein Identitätszeichen bereichert, so läßt sich mit Hilfe des Prinzips der Ununterscheidbarkeit des Identischen, d.h. mit Hilfe des Gesetzes
x
y((
x =
y) → (
f(
x) →
f(
y)))
bereits in
S2, wie
Barcan Marcus zeigte, das Theorem
x
y ((
x=
y) → □(
x =
y))
ableiten, dem zufolge jede Identität, wenn sie tatsächlich besteht, notwendigerweise besteht
[6]. Mit der Wahrheit kontingenter Identitätsaussagen ist die Gültigkeit dieses Theorems durchaus vereinbar, wenn die Anwendbarkeit der Regel der universellen Einsetzung auf innerhalb modaler Kontexte vorkommende Variablen davon abhängig gemacht wird, daß die für solche Variablen einzusetzenden Ausdrücke «starre Designatoren» sind, d.h. Ausdrücke, die in jeder möglichen Welt ein und denselben Gegenstand bezeichnen
[7].
Die Frage nach dem Sinn von Aussagenschemata, in denen eine innerhalb eines modalen Kontextes vorkommende Variable durch einen außerhalb dieses Kontextes befindlichen Quantor gebunden ist, wie z.B. die Variable ‹
x› in dem Schema
x□
f(
x)
, stellt bei der Interpretation quantifizierter Modalkalküle das Hauptproblem dar. Im Anschluß an
W. V. Quine, der mit seinen Einwänden gegen eine Quantifikation in modale Kontexte, die er seit 1943 wiederholt vorbrachte
[8] – zuletzt 1977 in einer differenzierteren Form als bisher
[9] –, eine lebhafte Diskussion ausgelöst hat, läßt sich dieses Problem an dem folgenden Beispiel einer sog. «modalen Paradoxie» verdeutlichen
[10]: Obwohl
(1) die Zahl 9 notwendigerweise größer ist als die Zahl 7 (□ (9 > 7)) und
(2) die Zahl 9 identisch ist mit der Zahl der Planeten, ist es unter der Voraussetzung, daß ‹notwendig› soviel bedeutet wie ‹analytisch wahr›, nicht der Fall, daß
(3) die Zahl der Planeten notwendigerweise größer ist als die Zahl 7.
Daran zeigt sich, daß es unter jener Voraussetzung nicht sinnvoll ist, auf dem Weg der existentiellen Generalisierung von (1) darauf zu schließen, daß
(4) irgendein Gegenstand existiert, der notwendigerweise größer ist als die Zahl 7 (
x□ (
x > 7)),
und zwar deshalb nicht, weil es nicht allein von der tatsächlichen Beschaffenheit eines Gegenstandes, sondern darüber hinaus von der Art und Weise unserer sprachlichen Bezugnahme auf ihn abhängt, ob der Satz, mit dem von ihm ausgesagt wird, daß er größer ist als 7, analytisch wahr ist oder nicht
[11]. Quine nennt Kontexte, auf die die Regel der existentiellen Generalisierung ebensowenig anwendbar ist wie das Prinzip der Ersetzbarkeit eines Ausdrucks durch einen denselben Gegenstand bezeichnenden anderen Ausdruck (z.B. des Ausdrucks ‹die Zahl 9› durch den Ausdruck ‹die Zahl der Planeten›), «referentiell undurchsichtig» (
referentially opaque[12]). Das Vorkommen eines Ausdrucks in einem solchen Kontext entspricht nach Quine dem, was
G. Frege den Gebrauch eines Wortes in der «ungeraden Rede» nennt
[13]. Neuerdings läßt Quine die Anwendung der existentiellen Generalisierung
auf einen in einem modalen Kontext vorkommenden singulären Ausdruck ‹
a› unter der Voraussetzung zu, daß dieser Ausdruck der Bedingung
x□(
x = a) genügt, deren Erfüllung ihn zu einem (von
S. Kripke so genannten) «rigid designator» macht
[14].
Den Einwänden
Quines gegen eine Quantifikation in modale Kontexte hinein versuchten die Verteidiger einer quantifizierten M. auf verschiedene Weise zu begegnen. In Anlehnung an
Frege, nach dem die in der «ungeraden Rede» gebrauchten Wörter «nicht ihre gewöhnliche Bedeutung haben, sondern das bedeuten, was gewöhnlich ihr Sinn ist»
[15], legten
A. Church und
R. Carnap den in modalen Kontexten zu quantifizierenden Variablen anstelle der
Extensionen der für sie substituierbaren Ausdrücke die
Intensionen dieser Ausdrücke als Wertebereich zugrunde
[16]. Den in einem modalen Kontext auftretenden Individuenvariablen beispielsweise ordneten sie als Werte nicht Individuen zu, sondern sogenannte Individuenbegriffe (
individual concepts[17]), die sich zu den Individuen, deren Begriffe sie sind, so verhalten, wie sich nach
Frege der «Sinn» eines Eigennamens zu dessen «Bedeutung» verhält
[18]. Dadurch, daß dem in seiner Anwendbarkeit auf extensionale Kontexte beschränkten Prinzip der Austauschbarkeit extensionsgleicher Ausdrücke ein auf intensionale Kontexte anwendbares Prinzip der Austauschbarkeit intensionsgleicher Ausdrücke zur Seite gestellt wird, lassen sich nach
Carnap die von Quine angeführten modalen Paradoxien lösen
[19].
Einen anderen Weg zur Lösung dieser Paradoxien beschritt
A. F. Smullyan, indem er im Anschluß an
B. Russells Theorie der definiten Beschreibungen zwei verschiedene Bedeutungen unterschied, in denen ein Satz der durch (3) exemplifizierten Form verstanden werden kann
[20]. Während der Satz ‹Die Zahl der Planeten [Z.d.P.] ist notwendigerweise größer als 7› in der durch
(3') □
x((
x ist die Z.d.P.) ∧ (
x > 7))
ausgedrückten Bedeutung, in der er falsch ist, aus (1) und (2) nicht abgeleitet werden kann, ist er in der durch
(3'')
x((
x ist die Z.d.P.) ∧ □ (
x > 7))
ausgedrückten Bedeutung, in der er aus (1) und (2) ableitbar ist, wahr
[21].
Wer auf diesem Weg, den
Quine für eher gangbar hält als jenen anderen
[22], quantifizierte M. betreiben will, kann dies nach Quine nur um den Preis eines Bekenntnisses zu der metaphysischen Auffassung tun, daß ein Gegenstand (z.B. die Zahl 9) unabhängig von der Art und Weise seiner Benennung gewisse Eigenschaften (z.B. die Eigenschaft, größer zu sein als 7) notwendigerweise oder wesentlich besitzt, gewisse andere Eigenschaften hingegen (z.B. die Eigenschaft, die Zahl der Planeten zu sein) nur zufälligerweise oder unwesentlich. Quine versah diese von ihm selbst keineswegs geteilte Auffassung mit dem Etikett «aristotelischer Essentialismus»
[23], ohne damit einen Anspruch auf historische Treue gegenüber
Aristoteles erheben zu wollen (tatsächlich ist es fraglich, ob sich dessen eigene Lehre in dem von Quine gemeinten Sinne als «essentialistisch» kennzeichnen läßt
[24]).
Die um das Problem der Interpretation einer quantifizierten M. und das damit verbundene Problem des «Essentialismus» geführte Diskussion
[25] trat mit der Ausarbeitung der «possible-worlds semantics» in ein neues Stadium. Um auf quantifizierte Modalkalküle anwendbar zu sein, mußte diese semantische Theorie folgendermaßen erweitert werden
[26]: Eine zusätzlich eingeführte Funktion
Q ordnet aus einem umfassenden Individuenbereich D jeder möglichen Welt
wi einen Teilbereich D
i als den Bereich der in ihr existierenden Individuen zu. Die bereits eingeführte Funktion V ordnet jedem
n-stelligen Prädikat
fn in jeder Welt
wi eine Menge geordneter
n-Tupel von Elementen aus D zu, die in
wi die Extension von
fn bildet; dem zweistelligen Prädikat ‹... ist Gattin von ...› beispielsweise ordnet sie in jeder Welt die Menge derjenigen Individuenpaare 〈
x1,
x2〉 als Extension zu, für die in der jeweiligen Welt gilt, daß
x1 die Gattin von
x2 ist.
Ob die Funktion V auch jeder Aussage, wie bisher, in jeder Welt einen der beiden Wahrheitswerte zuordnet, hängt davon ab, ob einer Aussage der Form
f(
x) in einer gegebenen Welt auch dann ein Wahrheitswert zuerkannt wird, wenn das der Individuenvariable ‹
x› zugeordnete Individuum in dieser Welt nicht existiert. Entscheidet man sich mit
Kripke dafür, einer Aussage auch in diesem Fall einen Wahrheitswert zuzuordnen
[27], so ist die Antwort auf die Frage,
welcher Wahrheitswert einer Aussage in diesem Fall zuzuordnen ist, davon abhängig, ob man einem Prädikat
f in einer Welt
wi nur solche Individuen aus dem Bereich D als Extension zuordnet, die zugleich Elemente von D, sind, die also in
wi existieren
[28]. Nimmt man diese Einschränkung vor, so muß man jede bejahende Aussage über einen Gegenstand, der in einer bestimmten Welt nicht existiert, in dieser Welt als falsch bewerten. Nimmt man sie jedoch nicht vor, so kann man z.B., wenn man zur Extension, die das Prädikat ‹... ist Gattin von ...› in unserer Welt hat, auch das aus den Personen Penelope und Odysseus bestehende Paar zählt, die Aussage, daß Penelope die Gattin des Odysseus ist, in unserer Welt selbst dann als wahr bewerten, wenn es jene beiden Personen nur in der von Homer beschriebenen, nicht aber in unserer wirklichen Welt gibt.
Allgemein gilt, daß eine Aussage der Form
fn(
x1, ...,
xn) in einer Welt
wi genau dann wahr ist, wenn das
n-Tupel der Individuen, die den Individuenvariablen ‹
x1›, ..., ‹
xn› aus dem Bereich D zugeordnet werden, zur Extension von
fn in
wi, gehört. Hingegen ist eine Aussage der Form
xf(
x) (bzw. eine Aussage der Form
xf(
x)) in einer Welt
wi genau dann wahr, wenn
f(
x) für jede (bzw. für mindestens eine) Zuordnung eines Individuums aus dem Bereich D, zu ‹
x› wahr ist, wenn also jedes der in
wi existierenden Individuen (bzw. mindestens eines von ihnen) zur Extension von
f in
wi gehört
[29]. Da nach dieser Interpretation zwar den freien, nicht aber den durch Quantoren gebundenen Variablen in einer gegebenen Welt Individuen als Werte zugeordnet werden können, die in dieser Welt nicht existieren, behalten die quantorenlogischen Regeln der existentiellen Generalisierung (
f(
y) →
xf(
x)) und der universellen Einsetzung (
xf(
x) →
f(
y)) in einem so interpretierten System nur dann ihre Gültigkeit, wenn sie von Prämissen der Form E!
y (‹
y existiert›) abhängig gemacht werden, die der Explikation der in ihnen implizierten Existenzvoraussetzungen dienen. Das durch ‹E!› symbolisierte Existenzprädikat, dessen Extension in jeder Welt
wi mit dem Individuenbereich D
i dieser Welt zusammenfällt, läßt sich folgendermaßen definieren
[30]:
E!
y =
df
x(
x =
y).
Die Einführung eines solchen Existenzprädikates ist kennzeichnend für eine sogenannte «free logic»
[31], d.h. für ein von Existenzannahmen freies quantorenlogisches System, in dem lediglich vorausgesetzt wird, daß die für eine Individuenvariable substituierbaren Individuenkonstanten
in dem Sinne
konsistent sind, daß sie sich auf
möglicherweise existierende Gegenstände beziehen
[32].
Geht man mit Kripke davon aus, daß sich verschiedene mögliche Welten nicht allein dadurch voneinander unterscheiden, daß ein und derselbe Gegenstand in der einen Welt andere Eigenschaften hat als in der anderen, sondern auch dadurch, daß gewisse Gegenstände, die in der einen Welt existieren, in der anderen nicht existieren, so läßt sich zeigen, daß die Barcan-Formel nicht einmal in
S5 gültig ist
[33]. Hat nämlich irgendeine von der Welt
wi aus zugängliche Welt
wj einen größeren Individuenbereich als
wi, so folgt weder daraus, daß in irgendeiner der von
wi aus zugänglichen Welten ein Gegenstand existiert, der in ihr die Eigenschaft
f besitzt (◊
xf(
x))
, daß in
wi ein Gegenstand existiert, der diese Eigenschaft in irgendeiner jener Welten besitzt (
x◊
f(
x))
, noch folgt daraus, daß alle in
wi existierenden Gegenstände in jeder von
wi aus zugänglichen Welt die Eigenschaft
f besitzen (
x□
f(
x))
, daß in jeder dieser Welten alle in ihr existierenden Gegenstände jene Eigenschaft besitzen (□
xf(
x)).
Vom Standpunkt der Semantik möglicher Welten aus betrachtet, ist eine quantifizierte M. insofern dem «Essentialismus» verpflichtet, als sie eine Unterscheidung zu machen erlaubt zwischen denjenigen Eigenschaften eines Gegenstandes, die er als seine wesentlichen Eigenschaften in allen von einer gegebenen Welt aus zugänglichen Welten besitzt – oder zumindest in jeder dieser Welten, in der er existiert, so daß er ohne sie überhaupt nicht existieren könnte –, und denjenigen Eigenschaften, die ihm als unwesentliche nur in der einen oder anderen dieser Welten zukommen
[34]. Eine solche Unterscheidung ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn es für die Beantwortung der Frage, welcher Gegenstand in einer gegebenen Welt
wi mit welchem Gegenstand in einer von
wi aus zugänglichen anderen Welt
wj identisch ist, ein Kriterium gibt. Geht man davon aus, daß ein Gegenstand
x mit einem Gegenstand
y nur insofern identisch sein kann, als
x dasselbe
f (derselbe Mensch, dieselbe Zahl, dasselbe Schiff, ...) ist wie
y[35], wobei der durch ‹
f› symbolisierte Ausdruck angibt, als
was – d.h. als ein Individuum welcher
Art – der jeweilige Gegenstand existiert
[36], so besteht eine notwendige, wenn auch keineswegs hinreichende Bedingung dafür, daß ein in der Welt
wi existierender Gegenstand
x mit einem in der Welt
wj existierenden Gegenstand
y identisch ist, darin, daß
x in
wi zu derselben Art gehört wie
y in
wj. Freilich läßt die Erfüllung dieser Bedingung die Frage, ob
x und
y dasselbe Individuum der jeweiligen Art sind, noch offen.
Das von
W. Stegmüller als «Problem der Querweltein-Identität» bezeichnete
[37] «problem of trans-world identity»
[38] –
Kripke betrachtet es im Gegensatz zu
Hintikka als ein Pseudoproblem
[39] – läßt sich dadurch einer Lösung näherbringen, daß eine Welt nur dann als mögliche Alternative zu einer anderen Welt zugelassen wird, wenn diejenigen der in ihr existierenden raumzeitlichen Gegenstände, die auch in jener anderen Welt existieren, in ihr denselben Ursprung haben wie in jener anderen Welt
[40]. Der weite Begriff der relativ zu einer gegebenen Welt
logisch möglichen Welt läßt sich dann ersetzen durch den sehr viel engeren Begriff des relativ zu einem gegebenen Zeitpunkt in der Geschichte einer Welt
kausal möglichen künftigen Zustandes dieser Welt
[41].
Die zu einem gerade gegenwärtigen Zeitpunkt
t bestehenden Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung einer Welt
w lassen sich im Anschluß an
N. Rescher[42] und
G. H. von Wright[43] «mit Hilfe eines nach rechts sich verzweigenden ‘topologischen Baumsʼ veranschaulichen»
[44], wobei der ausgefüllte Kreis ● den gegenwärtigen Zustand von
w darstellt und die durchbrochenen Linien diejenigen Möglichkeiten andeuten, die in der bereits vergangenen Entwicklung von
w nicht verwirklicht wurden
[45]:

Ist die Zahl der logisch voneinander unabhängigen Aussagen
p1, p2, ..., von denen jede die Bedingung erfüllt, daß entweder sie selbst oder ihre Negation jeweils einen Teilzustand des zu einem beliebigen Zeitpunkt
t bestehenden Gesamtzustandes der Welt
w beschreibt, gleich
n, so befindet sich diese Welt zu dem auf
t unmittelbar folgenden Zeitpunkt
t' in irgendeinem von insgesamt 2
n logisch möglichen Gesamtzuständen. Je nachdem, wie viele von diesen
logisch möglichen Gesamtzuständen relativ zu dem
t' vorhergehenden Zeitpunkt
t auch
kausal möglich sind, verläuft die Entwicklung der Welt
w innerhalb des durch
t und
t' begrenzten Zeitraumes mit einem höheren oder niedrigeren Grad an Determination bzw. Indeterminiertheit, wobei der Fall, in dem die Zahl
k der jeweils
kausal möglichen Gesamtzustände gleich 1 ist, und der Fall, in dem diese Zahl gleich 2
n ist, die beiden Grenzfälle der vollständigen Determination und der vollständigen Indeterminiertheit der jeweiligen Entwicklungsphase darstellen
[46]. Von der «ontischen» Sicherheit («certainty»), mit der das Eintreten oder Ausbleiben eines Zustandes kausal determiniert ist, unterscheidet von
Wright die «epistemische» Sicherheit, mit der uns das Eintreten oder Ausbleiben eines Zustandes nach allem, was wir wissen («for all we know»), gewiß ist
[47].
Eine am Begriff der kausalen Notwendigkeit orientierte Spielart der quantifizierten M. stellt die von
A. W. Burks entworfene
[48] und von
D. Føllesdal weiterentwickelte
[49] quantifizierte
Kausallogik dar. Als einer der bedeutendsten neueren Beiträge zur Entwicklung einer quantifizierten M. gilt der von dem Physiker
A. Bressan im Anschluß an Carnaps Methode der Unterscheidung zwischen Extension und Intension aufgebaute «allgemeine interpretierte Modalkalkül»
[50], dessen Bedeutung vor allem darin gesehen wird, daß er eine nicht-extensionale Theorie der Prädikation enthält
[51]. Berührungspunkte mit diesem mehrstufigen Kalkül weist die von
D. Gallin im Anschluß an Montague entworfene «modale Prädikatenlogik» auf, die ebenfalls eine «M. höherer Ordnung» darstellt
[52].
Quine, der bezweifelt, daß C. I. Lewis jemals mit dem Aufbau einer M. begonnen hätte, wenn Whitehead und Russell in ihren ‹Principia Mathematica› nicht den Fehler begangen hätten, die (objektsprachliche)
Verwendung zweier Sätze
p und
q in dem aus ihnen gebildeten Konditionalsatz ‹Wenn
p, dann
q› mit der (metasprachlichen)
Erwähnung von
p und
q in dem Satz ‹
p impliziert
q› zu verwechseln
[53], möchte sich, wenn überhaupt, nur auf der untersten der von ihm unterschiedenen drei Stufen einer möglichen «Verwicklung» in sie auf die M. einlassen, nämlich auf derjenigen Stufe, auf der die modalen Ausdrücke ‹... ist notwendig›, ‹... ist möglich› usw. nicht als
Operatoren auf geschlossene oder gar offene Sätze angewandt, sondern als
Prädikate mit den Namen von
Sätzen verknüpft werden
[54]. Kürzlich hat Quine den Versuch unternommen, die quantifizierte M. mit Hilfe eines auf
n-stellige Prädikate und die ihnen entsprechenden
n-Tupel von Gegenständen anwendbaren (
n + 1)-stelligen Notwendigkeitsprädikates als eine
extensionale Logik zu rekonstruieren, in die sich die
intensionale M., die von einem Notwendigkeitsoperator (oder -funktor) Gebrauch macht, übersetzen läßt
[55].
Ausgehend von einem Notwendigkeitsbegriff, der relativ zu einem auf bewährten «Verlaufsgesetzen» beruhenden Wissen definiert ist, hat
P. Lorenzen auf dem Boden der von ihm entwickelten operativen (bzw. dialogischen) Logik eine «konstruktive» Begründung der M. vorgenommen
[56]. Eine «konstruktivistische und konzeptualistische» Theorie möglicher Individuen und möglicher Welten hat
N. Rescher vorgelegt
[57], der zusammen mit
A. Urquhart in der Nachfolge von
A. N. Prior[58] auch dem Zusammenhang nachgegangen ist, der zwischen der M. und der Logik der Zeitbegriffe (
tense logic) besteht
[59].
|
Vgl. z.B. W. V. Quine: Reference and modality, in: From a logical point of view (New York 21963) 154f.; auch in: L. Linsky (Hg.): Reference and modality (Oxford 21977) 29f. |
|
R. C. Barcan: A functional calculus of first order based on strict implication. J. symbol. Logic 11 (1946) 1–16; The deduction theorem in a functional calculus of first order based on strict implication a.O. 115–118. |
|
a.O. 2. 5; vgl. G. E. Hughes und M. J. Cresswell (= H/C): An introd. to modal logic (London 51977) 142–145. 170–174. |
|
Vgl. R. Barcan Marcus: Interpreting quantification. Inquiry 5 (1962) 252–259, bes. 257f. |
|
R. Carnap: Modalities and quantification. J. symbol. Logic 11 (1946) 33–64. |
|
R. C. Barcan: The identity of individuals in a strict functional calculus of second order. J. symbol. Logic 12 (1947) 12–15, bes. 15; R. Barcan Marcus: Modal logic, in: R. Klibansky (Hg.): Contemporary philos./La philos. contemporaine 1 (Florenz 1968) 90; vgl. H/C, a.O. [3] 190f. |
|
Vgl. S. Kripke: Naming and necessity (Oxford 1980) 3f. 48; W. V. Quine: The ways of paradox and other essays (Cambridge, Mass. 21976) 175; Intensions revisited. Midwest Stud. Philos. 2 (1977) 5–11, bes. 7f. |
|
W. V. Quine: Notes on existence and necessity. J. of Philos. 40 (1943) 113–127; dtsch. in: J. Sinnreich (Hg.): Zur Philos. der idealen Sprache (1972) 34–52; vgl. Quine, a.O. [1] 153. 170; vgl. R. Routley: Existence and identity in quantified modal logics. Notre Dame J. formal Logic 10 (1969) 113–149, bes. 125–135; J. Hintikka: Quine on quantifying in: A dialogue, in: The intentions of intentionality and other new modeis for modalities (Dordrecht 1975) 102–136. |
|
W. V. Quine: Intensions revisited, a.O. [7]. |
|
Vgl. a.O. [1] 143f. 147f. bzw. 20f. 24. |
|
Vgl. ebda.; vgl. R. G. Beasley: Zur Logik der Modalbegriffe (unveröffentl. Ms.). |
|
Quine, a.O. [1] 142. 148 bzw. 20. 25. |
|
a.O. 140 (bzw. 18) Anm. 1; vgl. G. Frege: Über Sinn und Bedeutung. Z. Philos.u. philos. Kritik NF 100 (1892) 25–50; ND in: G. Patzig (Hg.): Gottlob Frege. Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf log. Stud. ( 41975) 40–65. |
|
Quine, a.O. [9] 8; vgl. S. Kripke: Identity and necessity, in: M. K. Munitz (Hg.): Identity and individuation (New York 1971) 135–164; auch in: S. P. Schwartz (Hg.): Naming, necessity, and natural kinds (Ithaca/London 1977) 66–101. |
| |
|
A. Church: Review of Quine [8]. J. symbol. Logic 8 (1943) 45–47; R. Carnap: Meaning and necessity (Chicago 1947, 31960); dtsch. Bedeutung und Notwendigkeit (Wien/New York 1972); vgl. Quine, a.O. [1] 153f. bzw. 29f. |
|
Vgl. Carnap, a.O. [16] §§ 9. 40. |
|
Vgl. a.O. §§ 28–30 zur Ähnlichkeit und zum Unterschied zwischen Freges und Carnaps Methode. |
| |
|
A. F. Smullyan: Modaüty and description. J. symbol. Logic 13 (1948) 31–37; vgl. Quine, a.O. [1] 154 bzw. 29f. |
| |
|
Quine, a.O. [1] 154 bzw. 30; vgl. a.O. [9] 6. |
|
a.O. [1] 155f. bzw. 30f.; vgl. Word and object (Cambridge, Mass. 1960, 101976) 199f.; The ways of paradox ... a.O. [7] 175f. 184. |
|
Vgl. N. P. White: Origins of Aristotle's essentialism. Rev. Metaphysics 26 (1972/73) 57–85. |
|
Vgl. z.B. R. Barcan Marcus: Essentialism in modal logic. Noûs 1 (1967) 91– 96; Essential attribution. J. of Philos. 68 (1971) 187–202; T. Parsons: Grades of essentialism in quantified modal logic. Noûs 1 (1967) 181–191; Essentialism and quantified modal logic, in: Linsky, a.O. [1] 73–87; E. Black: Aristotle's ‘essentialismʼ and Quine's cycling mathematician. Monist 52 (1968) 288–297; D. Kaplan: Quantifying in, in: D. Davidson/J. Hintikka (Hg.): Words and objections (Dordrecht 1969) 206–242, auch in: Linsky, a.O. [1] 112–144; J. Woods: Essentialism, self-identity, and quantifying in, in: Munitz, a.O. [14] 165–198; L. Linsky: Reference, essentialism, and modality, a.O. [1] 88–100; B. A. Brody: Why settle for anything less than good old-fashioned Aristotelian essentialism. Noûs 7 (1973) 351–365; D. Wiggins: Essentialism, continuity, and identity. Synthese 23 (1974) 321–359; W. V. Quine: Worlds away. J. of Philos. 73 (1976) 859–863; a.O. [9]; J. R. Baker: Essentialism and the modal semantics of J. Hintikka. Notre Dame J. formal Logic 19 (1978) 81–91. |
|
Vgl. S. Kripke: Semantical considerations on modal logic. Acta philos. fenn. 16 (1963) 83–94; auch in Linsky, a.O. [1] 63–72. 172 (Addendum); vgl. H/C, a.O. [3] 146f. 171f. 178f. |
|
Kripke, a.O. [26] 85f. bzw. 65f. |
|
Vgl. a.O. 86 Anm. 1 bzw. 66 Anm. 11. |
|
Vgl. 87 bzw. 67; H/C, a.O. [3] 179. |
|
Vgl. K. Lambert: Free logic and the concept of existence. Notre Dame J. formal Logic 8 (1967) 133–144; I. Dapunt: Zur Frage der Existenzvoraussetzungen in der Logik a.O. 11 (1970) 89–96; Kripke, a.O. [26] 90 bzw. 70; J. Hintikka: The modes of modality, in: Models for modalities (Dordrecht 1969) 71–86, bes. 76; W. L. Gombocz: Über E! Zur Semantik des Existenzprädikates und des ontologischen Argumentes für Gottes Existenz von Anselm von Canterbury (Wien 1974); H. Weidemann: «Socrates est» / «There is no such thing as Pegasus»: Zur Logik singulärer Existenzaussagen nach Thomas von Aquin und W. Van Orman Quine. Philos. Jb. 86 (1979) 42–59. |
|
Vgl. Lambert, a.O. [30]; J. Hintikka: Existential presuppositions and uniqueness presuppositions, in: Models for modalities a.O. [30] 112–147, bes. 113f.; H/C, a.O. [3] 179 Anm. 126. |
|
Vgl. Routley, a.O. [8] 114; Some things do not exist. Notre Dame J. formal Logic 7 (1966) 254. 256 (mit Anm. 6). |
|
Kripke, a.O. [26] 87f. bzw. 67. |
|
Vgl. Linsky, a.O. [25] 98f. |
|
Vgl. hierzu einerseits P. T. Geach: Reference and generality (Ithaca/London 1962, 21968) 39. 43f. 157 ( 31980) 63f. 68. 181 und andererseits D. Wiggins: Sameness and substance (Oxford 1980). |
|
Vgl. hierzu Brody, Wiggins, a.O. [25]. |
|
W. Stegmüller: Hauptströmungen der Gegenwartsphilos. 2 (1975) 226f. |
|
Vgl. N. Rescher: A theory of possibility. A constructivistic and conceptualistic account of possible individuals and possible worlds (Oxford 1975) 85–89. |
|
Vgl. S. Kripke: Naming and necessity, a.O. [7], bes. 48 Anm. 15, 49f.; vgl. V. Tselishchev: Hintikka's possible worlds and rigid designators, in: J. Hintikka et al. (Hg.): Essays on math. and philos. logic (Dordrecht 1979) 387–399, bes. 393. |
|
Vgl. Kripke, a.O. [7] 112–115. 142; J. L. Mackie: De what Re is De Re modality? J. of Philos. 71 (1974) 551–561; C. McGinn: On the necessity of origin. J. of Philos. 73 (1976) 127–135; vgl. hierzu E. Saarinen: Continuity and similarity in cross-identification, in: E. Saarinen et al. (Hg.): Essays in honour of Jaakko Hintikka (Dordrecht 1979) 189–215, bes. 194–197. |
|
Vgl. Brody, a.O. [25] 359; vgl. G. H. von Wright: Causality and determinism (New York/London 1974). |
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Vgl. N. Rescher und A. Urquhart: Temporal logic (Wien/New York 1971) 243–246. |
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von Wright, a.O. [41] 18. 34. |
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Determinismus, Wahrheit und Zeitlichkeit. Studia Leibnitiana 6 (1974) 161–178, zit. 164. |
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Vgl. Causality and determinism, a.O. [41] 13–19. |
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A. W. Burks: The logic of causal propositions. Mind 60 (1951) 363–382. |
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D. Follesdal: Quantification into causal contexts, in: Linsky, a.O. [1] 52–62. |
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A. Bressan: A general interpreted modal calculus (New Haven/London 1972). |
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Vgl. das Vorwort von N. D. Belnap Jr. a.O. xiii-xxv, bes. xix-xxi. |
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D. Gallin: Intensional and higher-order modal logic (Amsterdam/Oxford/New York 1975), vgl. 67. |
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Quine, Word and object, a.O. [23] 196. |
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W. V. Quine: Three grades of modal involvement, in: The ways of paradox ... a.O. [7] 158–176. |
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Intensions revisited, a.O. [7]. |
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Vgl. P. Lorenzen und O. Schwemmer: Konstruktive Logik, Ethik und Wiss.theorie (1973) 79–106; vgl. auch P. Lorenzen: Zur Begründung der M. Arch. math. Logik und Grundlagenforsch. 2 (1954) 15–28 (= Arch. Philos. 5 [1954] 95–108). |
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A. N.
Prior: Time and modality (Oxford 1957, 21968). |
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Rescher und Urquhart, a.O. [42]; vgl. G. H. von Wright, a.O. [41] 19–25. 137–139; R. P. McArthur: Tense logic (Dordrecht 1976). |