Historisches Wörterbuch der Philosophie online 

Panentheismus

Panentheismus 2922 10.24894/HWPh.2922 Ulrich Dierse Winfried Schröder
Krause Schulen, Strömungen und Positionen Entheism Immanenz der Dinge in Gott Allingottlehre
Panentheismus (von griech. πᾶν ἐν θεῷ alles in Gott; engl. panentheism; frz. panenthéisme; ital. panenteismo) ist von den zahlreichen Neologismen zu ‹Pantheismus› (‹Theopantismus› [1], ‹Semipantheismus› [2] u. ä.) der einzige, der eine weitere Verbreitung erlangte. Allgemein gilt K. Ch. F. Krause als Schöpfer dieses Begriffs. Jedoch schreibt Novalis bereits 1798: «Die Zeit muß kommen, wo politischer Entheism und Pantheism als nothwendige Wechselglieder aufs innigste verbunden sein werden» [3]. Diese für Novalis' messianische Erwartungshaltung bezeichnende Begriffsbildung kannte aber Krause noch nicht, als er 1828 den Terminus ‹P.› zur Bezeichnung der Immanenz der Welt in Gott prägte [4]. Die «Allingottlehre» (so die Übersetzung für ‹P.› [5]) bewahrt im Gegensatz zum «Grundirrthum» des Pantheismus die Abhängigkeit der Welt von Gott und dessen Transzendenz. Während sich nur wenige Autoren zum P. ausdrücklich bekennen [6], werden ihm in der Philosophiegeschichtsschreibung zahlreiche andere vom Neuplatonismus und der Mystik bis ins 19. und 20. Jh. (oftmals undifferenziert) zugeordnet [7].
[1]
J. L. Schwarz: Schellings alte und neue Philos. (1844) 152; R. Otto: Das Heilige (91922) 258.
[2]
C. Gutberlet: Lehrb. der Philos. 1 (1890) 76.
[3]
Novalis: Schriften, hg. P. Kluckhohn/R. Samuel 2 (21960) 503.
[4]
K. Ch. F. Krause: Vorles. über das System der Philos., hg. P. Hohlfeld/A. Wünsche (21889) 1, 313f.
[5]
Vorles. über die Grundwahrheiten der Wiss. (1829) 484.
[6]
Vgl. I. H. Fichte: Verm. Schr. zur Philos., Theol. und Ethik 1 (1869).
[7]
Vgl. W. Dilthey: Auffassung und Analyse des Menschen im 15. und 16. Jh. Ges. Schr. 2 (101977) 77; Eisler 4 s.v.; H. Schmidt/G. Schischkoff: Philos. Wb. (141957) s.v.