Sabbatianismus
3643
10.24894/HWPh.3643
Redaktion
Judentum
Schulen, Strömungen und Positionen
shabbateanism
Sabbatianismus (engl. Shabbateanism; hebr. Shabbeta'ut). Der Begriff ‹S.› ist 1928 von
G. Scholem geprägt worden
[1] und bezeichnet als Sammelbegriff alles, was mit der Bewegung (‹Shabbatean› oder ‹Sabbatian movement›) um den jüdischen Häretiker und falschen Messias Sabbatai Zwi (Shabbetai Zevi, Sabetha Sebi u.ä., 1626–1676) zu tun hat. Ältere Literatur spricht von der «Sekte der Sabbatianer» oder «Sekte Schabbathai Zwi». Am 31. Mai 1665 hatte sich Sabbatai Zwi in Gaza seinem ‘Prophetenʼ Nathan von Gaza als Messias zu erkennen gegeben und damit die größte messianische Bewegung im Judentum seit dem Bar Kochba-Aufstand ausgelöst. Am 15. Sept. 1666 war Sabbatai Zwi zum Islam übergetreten, seine Anhänger – in der Türkei noch heute als Dönme bekannt – folgten ihm, obwohl sie dem jüdischen Ritus weiterhin treu blieben. Für Scholem war diese messianische Bewegung die Abkehr des Judentums vom Mittelalter und der Ausgangspunkt für alle modernen Strömungen im Judentum: den Chassidismus, die Aufklärung, die Emanzipation und die Assimilation der Juden in Europa
[2]. Scholems Interpretation der neuzeitlichen Geschichte des Judentums vor dem Hintergrunddes Sabbatianismus wird von der Forschung nicht einhellig geteilt
[3].
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G. Scholem: Über die Theol. des S. im Lichte Abraham Cardosos. Der Jude 9, Sonderh. 5 (1928) 123–139. |
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Sabbatai Sevi – The mystical messiah, 1626–1676 [hebr.] 1–2 (Tel Aviv 1957), engl. übers. R. J. Zwi Werblowsky (Princeton 1973); Kabbalah (Jerusalem 1974) 244–286: ‹Shabbetai Zevi and the Shabbatean movement› 327–332: ‹The Doenmeh›; 435–440: ‹Nathan of Gaza›. |
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E. Schweid: Mysticism and Judaism accord. to G. G. Scholem [hebr.] (Jerusalem 1983), engl. übers. D. A. Weiner (Atlanta 1985); J. Dan: G. Scholem and the myst. dimension of Jewish hist. (New York/London 1987) 286–312: ‹The Sabbatian upheaval›. |