II.
Kant bis Neukantianismus; Historismus; Psychologismus. – Der deutsche Ausdruck ‹W.› hat erst verhältnismäßig spät seine vorwiegend ökonomische Bedeutung abgestreift und sich als eigenständiger philosophischer Terminus etabliert
[1]. Noch
J. G. Walchs ‹Philosophisches Lexikon› führt unter diesem Stichwort die verschiedenen Gesichtspunkte an, nach denen in der Naturrechtslehre der Preis (pretium) einer Sache oder Handlung bestimmt wurde
[2]. In Abgrenzung von dieser Verwendungsweise hebt
I. Kant hervor, daß der Preis nur den relativen W. einer Sache bezeichnen könne. «Unbedingter Werth» oder «Würde» (s.d.) hingegen komme allein den autonomen Personen zu, die als «Zweck an sich selbst» existieren
[3]. Kant schließt hier an eine Tradition an, die das moralische Sein als Wirkungsweise des menschlichen Willens ansieht. Es beruht auf dem, was
F. Suárez «Wertschätzung» («existimatio» oder «aestimatio») nennt, die Dingen ihren moralischen W. («moralem valorem») gibt
[4].
An Kants teleologische Ausformung des Wertgedankens knüpft
J. F. Fries an, der den praktischen Teil seiner
Philosophie auch als eine «Lehre vom Werth und Zweck» bezeichnet
[5]. Die anthropologische Grundlage hierfür findet er im «Trieb» der «handelnden Vernunft», welcher als ein «Vermögen sich zu interessieren, oder den Dingen einen Werth zu geben» bestimmt wird
[6]. Nach den Stufen der Ausbildung dieses Triebes lassen sich drei «Ideale» oder «Regeln» der «Werthgesetzgebung» unterscheiden. Das «Ideal der Glückseligkeit» gibt demjenigen W., was Genuß oder Vergnügen bereitet. Aus dem «Ideal der Vollkommenheit» ergeben sich die Wertgesetze zur Beurteilung des menschlichen Handelns. Das «Ideal der Sittlichkeit» schließlich legt der Vernunft selbst den «absoluten Werth» bei
[7]. Dieses allgemeine und notwendige Prinzip bleibt nicht auf die einzelnen Willen beschränkt, vielmehr wird das Sittengesetz in religionsphilosophischer Perspektive durch «praktische Bestimmung» der Vernunftideen zu einer «Regel des Zweckes für die Welt». Die Unterordnung der Naturerscheinungen unter diese Zweckgesetzgebung erschließt sich der menschlichen Vernunft nicht im Wissen, sondern allein durch das Gefühl der Urteilskraft, welche in der ästhetischen Beurteilung des Schönen und Erhabenen eine «Ahndung» des Ewigen im Endlichen vermittelt
[8].
Die damit vollzogene Ausweitung der Kantischen Geschmackslehre setzt sich in der Ästhetik von
J. F. Herbart fort, die dabei zu einer Theorie des allgemeinen Werturteils wird. Als eigenständige philosophische Disziplin neben Metaphysik und Logik beschäftigt sich die Ästhetik mit der Bearbeitung von Begriffen, die «bloss einen Werth oder Unwerth anzeigen»
[9]. Diese «Werthbestimmungen» vollziehen sich in «ästhetischen Urteilen», mit denen ein unmittelbares Gefallen oder Mißfallen zum Ausdruck kommt
[10]. Dies kann sich sowohl auf das Schöne und Häßliche als auch auf das moralisch Gute und Schlechte beziehen. Die Gültigkeit der ästhetischen Urteile beruht nach Herbart auf elementaren, nicht weiter zurückführbaren Verhältnissen, «deren einzelne Glieder für sich allein genommen, keinen ästhetischen Werth haben»
[11].
Zu einem zentralen Begriff der Philosophie wird der Terminus ‹W.› erst bei
H. Lotze. Sein teleologischer Idealismus nimmt seinen Ausgang von den ‘Bedürfnissen des Gemütesʼ, das sich nicht mit der kausalmechanischen Betrachtung der Natur begnügt, sondern das Gleichgültige vom Wertvollen scheidet und sich in der religiösen «Ahnung» bis zum Gedanken eines absoluten W. erhebt. Das «an und für sich Werthvolle» (häufig auch «höchster Zweck», «unbedingter Werth», «wahrhaft Seiendes» genannt) findet Lotze in der «Idee des Guten». Diese bringt im Streben nach Entfaltung und Entwicklung den Mechanismus hervor, nach dessen Gesetzen sich die Wirklichkeit zur Realisierung des Werthaften zusammenschließt
[12]. Die subjektive Erfassung des zur Erscheinung gelangenden W. erfolgt durch das Gefühl, welches im Gegensatz zum «gleichgültigen Verstand» in ästhetischer, sittlicher und religiöser Hinsicht ausschlaggebend ist. Die Gefühlsgebundenheit der Werterfassung geht bei Lotze so weit, daß der Gedanke eines W., «der von niemandem geschätzt wird, also für niemand Lust oder Unlust bewirkt», als ein gänzlich «widersprechender» verworfen wird
[13]. Gleichzeitig versucht Lotze, die allgemeine Gültigkeit der Wertungen zu sichern, indem er den qualitativ verschiedenen Inhalten des Lustgefühls eine objektive Bedeutung zugesteht. Diese Inhalte bilden ein «System mannigfaltiger Glieder, deren jedes seinen besonderen Charakter und seinen besonderen Werth hat, ohne daß der Geist im Stande ist, diese Verteilung zu ändern»
[14]. In die gleiche Richtung weist auch die Interpretation der Platonischen Ideenlehre, die Lotze im dritten Buch seiner großen ‹Logik› entfaltet. Hier wird den Inhalten der Vorstellungen die Wirklichkeitsform der «Geltung» zugesprochen, um sie damit vom «Sein» und «Geschehen» abzugrenzen
[15]. Allerdings ist festzuhalten, daß Lotze in diesem Zusammenhang den Ausdruck ‹Geltung› nur auf Begriffe und wahre Sätze anwendet. Die durchgehende Verbindung der Ausdrücke ‹W.› und ‹Geltung› wird erst im Südwestdeutschen Neukantianismus üblich.
An Lotze erinnert der «Standpunkt des Ideals», den
F. A. Lange der wissenschaftlichen Weltansicht entgegenstellt. Die «Welt der Werthe» steht hier für eine vom Menschen geschaffene «Idealwelt», die der Befriedigung ethischer, ästhetischer und religiöser Bedürfnisse dienen soll
[16]. Eine über die Fachgrenzen hinausreichende Bekanntheit erlangte
F. Nietzsches provozierende Formel von der «Umwertung aller Werte» (s.d.). Die ihr zugrundeliegende Kritik der bisherigen höchsten W.e erfaßt nicht nur die moralischen und religiösen Ideale, sondern auch die ‘kosmologischen W.eʼ wie «Zweck», «Einheit» und «Wahrheit», mit denen bisher fälschlicherweise der Gesamtcharakter des Daseins interpretiert wurde
[17]. Sie alle erweisen sich im Lichte von Nietzsches Kritik als Resultate unserer eigenen «Werthschätzungen», hinter denen letztlich der «Wille zur Macht» (s.d.) steht: «die Werthe und deren Veränderung steht im Verhältniß zu dem Macht-Wachsthum des Werthsetzenden»
[18]. Gegen die nihilistischen Konsequenzen dieser Auffassung wendet sich
A. Riehl: «Diese W.e aber, die das Handeln des Menschen leiten und seine Gesinnung beseelen, werden nicht erfunden, oder durch Umwertung neu geprägt; sie werden entdeckt und gleich wie Sterne am Himmel treten sie nach und nach mit dem Fortschreiten der Kultur in den Gesichtskreis des Menschen»
[19]. Gleichwohl hält auch Riehl daran fest, daß Wertfragen nicht in den Bereich der Wissenschaft gehören, sondern die Grundlage einer schöpferisch praktischen «Lebensanschauung» bilden
[20].
Erste Ansätze zu einer transzendentalphilosophischen Verankerung der «Wertideen» oder «Ideale» lassen sich bei
O. Liebmann ausmachen. Er unterscheidet zwischen den Naturgesetzen, welche den Lauf der Wirklichkeit beherrschen, und den «Normalgesetzen», die den Maßstab für «Werturteile» bilden
[21]. Eine solche «Normalgesetzgebung» läßt sich auch nach
W. Windelband grundsätzlich für alle Arten menschlicher Tätigkeit finden, einen absoluten W. kann allerdings nur die Trias des Wahren, Guten und Schönen beanspruchen. Diese Dreigliederung entspricht der Einteilung der Seelenvermögen in Denken, Wollen und Fühlen, die bereits Kant als Grundriß für seine drei Kritiken gedient hatte. Damit lag es nahe, die Kantische Philosophie insgesamt als eine Lehre aufzufassen, welche die Wertfrage gleichberechtigt für die Gebiete Wissenschaft, Sittlichkeit und Kunst stellt
[22]. Dieser Auffassung folgt der Südwestdeutsche Neukantianismus; Windelband bestimmt die Philosophie überhaupt als «die kritische Wissenschaft von den allgemeingiltigen W.en»
[23]. Ihr Objekt findet sie in den logischen, ethischen und ästhetischen Beurteilungen, die im Unterschied zu den hedonistischen Wertungen mit dem Anspruch auf überindividuelle Anerkennung auftreten. Diese Beurteilungen setzten als Maßstab ein transzendentales «Normalbewußtsein» voraus, das den Inbegriff der geltenden W.e darstellt. Diese «allgemeinen W.e sind die Wahrheit im Denken, die Gutheit im Wollen und
Handeln, die Schönheit im Fühlen»
[24]. Eine Sonderstellung nimmt bei Windelband der religiöse W. des «Heiligen» ein. Er bedeutet keine inhaltliche Erweiterung gegenüber dem Wahren, Guten und Schönen, sondern alle diese W.e selbst, insofern sie in Beziehung zu einer übersinnlichen Wirklichkeit stehen
[25].
Eine Weiterbildung und systematische Ausgestaltung erfährt die neukantianische Wertphilosophie durch
H. Rickert. Tatsächlich hat erst er die Trennung von ‹W.› und ‹Wirklichkeit›, ‹Geltung› und ‹Existenz› auch terminologisch konsequent durchgeführt. Dementsprechend wird ‹W.› auf die folgende Weise eingeführt: «Wir brauchen dies Wort, das einen Begriff bezeichnet, der sich ebensowenig wie der des Existierens definieren läßt, für Gebilde, die nicht existieren und trotzdem ‘Etwasʼ sind, und wir drücken dies am besten dadurch aus, daß wir sagen, sie gelten»
[26]. Zur Verwirklichung gelangen die W.e in der geschichtlichen Entwicklung der Kultur, die Rickert als die «Gesamtheit der realen Objekte» definiert, «an denen ... W.e haften, und die mit Rücksicht auf diese W.e gepflegt werden»
[27]. Diese historisch gegebenen Güter liefern das Material, an dem die Philosophie ansetzen muß, um die einzelnen W.e aufzufinden und in einem System zu ordnen. Ein solches System der W.e gliedert sich nach Rickert in zwei Hauptgruppen: Zur sachlich kontemplativen Sphäre gehören die logischen, ästhetischen und mystischen W.e, das persönlich aktive Dasein hingegen steht unter den W.en der sozialen Sittlichkeit, Erotik und der theistischen Religion. Mit diesem System meinte Rickert die Basis geschaffen zu haben, von der aus eine einheitliche und umfassende «Deutung des Lebenssinnes» möglich ist. In diesem Sinne ist «Philosophie als kritische Wertwissenschaft» zugleich «Weltanschauungslehre»
[28].
Obwohl sich namentlich die Angehörigen der Schülergeneration (
J. Cohn, E. Lask, B. Bauch, G. Mehlis, R. Kroner) um eine Konkretion dieses kulturphilosophischen und weltanschaulichen Programmes bemüht haben, ist der Hauptbeitrag des Südwestdeutschen Neukantianismus auf den Gebieten der Logik und Erkenntnistheorie zu suchen. Zentral ist dabei die Auffassung, daß auch das theoretische Urteilen ein wertendes, praktisches Verhalten einschließt. So ist nach
Rickert alle Erkenntnis auf einen «theoretischen W.» bezogen, der dem urteilenden Subjekt als ein «transzendentes Sollen» gegenübertritt und zu einer «alternativen Stellungnahme» auffordert. Dabei wird im Falle der Bejahung der «W. der Wahrheit» anerkannt, bei der Verneinung der «Unwert der Falschheit» verworfen
[29]. In kritischer Abgrenzung hiervon hebt
E. Lask hervor, daß der «Wertgegensatz» von Wahr und Falsch nur die mit der Subjektivität in Berührung stehende «Urteilsregion» betrifft. Als Aufgabe einer streng objektiv ausgerichteten Logik sah er es daher an, zu der maßstabgebenden, urbildlichen Sphäre des «übergegensätzlichen Wertes» vorzudringen
[30]. Um eine vermittelnde Position bemüht sich
B. Bauch, indem er zum einen die objektive Geltung der W.e betont, zum anderen die W.e in ihrer Subjektbezogenheit als «Aufgaben» faßt, die nach Erfüllung in der Wirklichkeit verlangen. Voraussetzung hierfür ist, daß die verschiedenen W.e nicht isoliert und beziehungslos nebeneinanderstehen, sondern ein sich wechselseitig umfassendes «Wertganzes» bilden
[31]. Ähnlich vertritt auch
J. Cohn die Auffassung, daß sich jeder einzelne W. nur im Zusammenhang aller W.e fassen läßt und jedes ideale Gut seine Wahrheit erst in der Verwirklichung findet. Deshalb gehört zu Cohns «Wertwissenschaft» neben «Axiotik» und
«Systematik» auch eine Lehre von der Wertverwirklichung («Ergetik»)
[32].
Eine schulübergreifende Beachtung haben schließlich auch die methodologischen Überlegungen der Südwestdeutschen Neukantianer gefunden. Besondere Bedeutung kommt hier wiederum den Arbeiten von
Rickert zu, der im Anschluß an Windelband den Wertgedanken auch für die Einteilung der Wissenschaften fruchtbar zu machen suchte. Seiner Meinung nach ordnen die Naturwissenschaften die wertfreie Wirklichkeit unter allgemeine Begriffe oder Gesetze, die Geschichtswissenschaften dagegen konstituieren den individuellen historischen Gegenstand durch Beziehung auf W.e
[33].
Unter dem Einfluß Rickerts übernimmt
M. Weber für die Sozialwissenschaften die «Wertbeziehung» als «Prinzip der Auswahl des für die Begriffsbildung Wesentlichen»
[34]. Diese terminologischen Übereinstimmungen dürfen jedoch nicht über die tiefergehenden sachlichen Unterschiede hinwegtäuschen. Während
Rickert auf der absoluten Geltung an sich seiender W.e insistiert, rückt
Weber zunehmend die irrationalen und subjektiven Momente der Wertorientierung in den Vordergrund. So hält er eine wissenschaftliche Vertretung von praktischen Stellungnahmen für letztlich unmöglich, «weil die verschiedenen Wertordnungen der Welt in unlöslichem Kampf untereinander stehen»
[35].
Vom Standpunkt einer materialen Geschichtsphilosophie aus hat sich auch
E. Troeltsch gegen die Annahme zeitlos geltender W.e ausgesprochen. Für ihn besteht das «Grundproblem aller Historie» in dem «verwickelten Verhältnis von Sollen und Sein, von W. und Tatsächlichkeit, die in der historischen Wirklichkeit überall eng zusammen sind und zwar unterschieden, aber nicht realiter voneinander gelöst werden können»
[36]. Eine «Vereinigung» von Historie und Wertlehre könne daher nur erfolgen, wenn die «Maßstäbe zur Beurteilung historischer Dinge» aus dem geschichtlichen Leben selbst gewonnen werden. Diese Auffassung ähnelt der Konzeption
W. Diltheys, der sich schon vor den Neukantianern um eine methodologische Grundlegung der Geisteswissenschaften bemüht hatte. Für ihn stellt die «geschichtliche Welt» einen «Wirkungszusammenhang» (s.d.) dar, der sich vom Kausalzusammenhang der Natur dadurch unterscheidet, daß er «nach der Struktur des Seelenlebens W.e erzeugt und Zwecke realisiert»
[37]. Um die mit einer solchen Auffassung verbundenen relativistischen Konsequenzen zu vermeiden, hat sich
E. Spranger um eine Synthese zwischen geisteswissenschaftlicher Psychologie und neukantianischem Wertkritizismus bemüht. Danach hat die Einzelseele auf «historischer Stufe» an «objektiven Wertgebilden» teil, über deren Gültigkeit eine normative Gesetzlichkeit entscheidet. Nach der dabei im individuellen Bewußtsein «vorherrschenden Wertrichtung» unterscheidet Spranger zwischen den «Lebensformen» des theoretischen, ökonomischen, ästhetischen, sozialen, politischen und religiösen Menschen
[38].
Neben den normativen oder aprioristischen Wertlehren entstand seit dem 19. Jh. eine Reihe von Theorien, die sich mit dem psychologischen Vorgang der Wertung befaßten. Als früher Vorläufer darf
E. Beneke angesehen werden, für den sich «die Werthe aller Dinge» nach den «Steigerungen und Herabstimmungen» bemessen, «welche durch dieselben für unsere psychische Entwicklung bedingt werden»
[39].
Die weitere Entwicklung der Wertpsychologie, die in den Jahren ab 1890 rasch an Bedeutung gewann, wurde vor allem durch die Frage beherrscht, welche der Seelentätigkeiten
für das Zustandekommen der Wertungen verantwortlich sei. Die Gefühlstheorie des W. vertraten u.a.
A. Meinong[40],
W. Wundt[41],
A. Döring[42] und
J. C. Kreibig. Letzterer etwa definierte den W. als «die Bedeutung, welche ein Empfindungs- oder Denkinhalt vermöge des mit ihm unmittelbar oder assoziativ verbundenen aktuellen oder dispositionellen Gefühls für ein Subjekt hat»
[43]. Demgegenüber versuchten die voluntaristischen Theorien, das Werten auf Akte des Wollens oder Begehrens zurückzuführen. Neben
H. Schwarz[44] und
R. Eisler[45] ist hier vor allem
Ch. von Ehrenfels zu nennen, der den W. eines Dinges mit seiner «Begehrbarkeit» gleichsetzte
[46].
Eine metaphysische Überhöhung findet der voluntaristische Standpunkt in der Wertphilosophie von
H. Münsterberg. Seiner Auffassung zufolge ist es der «reine Wille», der in «ursprünglicher Tathandlung» die Welt als wertvoll setzt. Aus diesem «Akt der Weltbejahung» leitet Münsterberg ein geschlossenes Wertesystem ab, das sich in acht Klassen mit jeweils drei Unterabteilungen gliedert
[47]. Der Statik schlechthin gültiger Wertetafeln stellt
R. Müller-Freienfels eine irrationalistisch-dynamische Weltanschauung entgegen. Danach stellt die Annahme absoluter W.e eine «Fiktion» dar, die unter Umständen «hohe praktische Bedeutung» besitzt, sich aber ebensogut als schädlich herausstellen kann. In solchen Fällen sei es die notwendige Aufgabe der Philosophie, den «Nimbus der Absolutheit» zu zerstören und das Verständnis für die Relativität der Wertungen zu fördern
[48].
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Grimm 14/I, 2 (1960) 460f. |
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J. G. Walch: Philos. Lex. (1726, 41775, ND 1968) 1545–1551; vgl. Art. ‹Wert/Preis›. |
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I. Kant: Grundleg. zur Met. der Sitten (1785). Akad.-A. 4, 434–436. |
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Vgl. etwa: F. Suárez: De bonitate II, 2, 7. 15; vgl. Th. Kobusch: Die Entdeckung der Person. Met. der Freiheit und mod. Menschenbild (1993, 21996) 23–31, bes. 25f.; vgl. E. Gemmeke: Met. des sittl. Guten bei F. Suárez (1965) bes. 191–196; vgl. ferner: Art. ‹Sein, moralisches›. Hist. Wb. Philos. 9 (1995) 237–247. |
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J. F. Fries: Hb. der prakt. Philos. oder der philos. Zwecklehre (1832) 2, 82. |
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Neue Kritik der Vernunft 3, § 184 (1807) 85. |
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§ 188, a.O. 94ff.; § 202, a.O. 160. |
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J. F. Herbart: Kurze Encykl. der Philos. (1831). Sämtl. Werke, hg. K. Kehrbach/O. Flügel (1887–1912, ND 1989) 9, 24. |
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a.O. 80; vgl. auch: Lehrb. zur Einl. in die Philos. (1813, 41837), ND, hg. W. Henckmann (1993) 44. 52f. 134. |
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Über meinen Streit mit der Modephilos. dieser Zeit (1814), a.O. [9] 3, 331. |
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H. Lotze: Metaphysik (1841) 4ff. 323ff.; Mikrokosmus. Ideen zu einer Naturgesch. und Gesch. der Menschheit (1856–64, 61923) 3, 605–615. |
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Grundzüge der Religionsphilos., Dictate aus den Vorles. § 79 (1882) 91; Mikrokosmus, a.O. 1, 269ff.; 2, 306ff. |
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Grundzüge der prakt. Philos., Dictate aus den Vorles. § 8 (1882, ND 1969) 8. |
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Logik 3: Vom Erkennen (1880), ND hg. G. Gabriel (1989) 505ff.; vgl. Art. ‹Gelten; Geltung›. Hist. Wb. Philos. 3 (1974) 232–235. |
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F. A. Lange: Gesch. des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart (1866, 61898) 2, 546. |
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F. Nietzsche: Nachgel. Frg., Nov. 1887 bis März 1888 11[99]. Krit. Ges.ausg., hg. G. Colli/M. Montinari (1967ff.) 8/2, 290f. |
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Nachgel. Frg., Herbst 1887 bis März 1888 9[38]. 9[39], a.O. 16f. |
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A. Riehl: F. Nietzsche. Der Künstler und der Denker (1897, 61920) 166. |
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Zur Einf. in die Philos. der Gegenwart (1902, 21904) 188. |
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O. Liebmann: Zur Analysis der Wirklichkeit. Philos. Unters. (1876) 504–511. |
|
W. Windelband: I. Kant (1881), in: Präludien. Aufsätze und Reden zur Philos. und ihrer Gesch. (1884, 51915) 1, 139f. |
|
Was ist Philosophie? (1882), a.O. 29; vgl. Art. ‹Neukantianismus›. Hist. Wb. Philos. 6 (1984) 747–754. |
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Krit. oder genet. Methode? (1883), a.O. 2, 122. |
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Das Heilige (1902), a.O. 2, 304f.; Einl. in die Philos. § 20 (1914) 390ff. |
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H. Rickert: Der Gegenstand der Erkenntnis. Einf. in die Transzendentalphilos. (1892, 51921) 229f.; vgl. System der Philos. 1: Allg. Grundlegung der Philos. (1921) 112–129. |
|
Kulturwiss. und Naturwiss. (1899, 51921) 30; Art. ‹Kultur; Kulturphilosophie›. Hist. Wb. Philos. 4 (1976) 1309–1324. |
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Vom System der W.e. Logos 4 (1913) 295–327. |
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Der Gegenst. der Erk., a.O. [26] 163–171; Art. ‹Wahrheitswert›. |
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E. Lask: Die Lehre vom Urteil (1912) 10ff. 124ff. Ges. Schr., hg. E. Herrigel 2 (1923) 293ff. 386ff.; vgl. auch: G. Pick: Die Übergegensätzlichkeit der W.e (1921); vgl.Art. ‹Übergegensätzlich›. Hist. Wb. Philos. 11 (2001) 34–36. |
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B. Bauch: Wahrheit, W. und Wirklichkeit (1923) 468ff. 478ff. |
|
J. Cohn: Wertwissenschaft (1932) 11f. |
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M. Weber: Roscher und Knies und die Probleme der hist. Nat.ökon. [1903–06], in: Ges. Aufs. zur Wiss.lehre (1922, 71988) 86. |
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Wiss. als Beruf (1917/19), a.O. 603. Ges.ausg. I/17, hg. W. J. Mommsen/W. Schluchter (1992) 99; vgl. Art. ‹Werturteil; Werturteilsstreit›. |
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E. Troeltsch: Der Historismus und seine Probleme. Ges. Schr. (1922, ND 1977) 3, 153. 201–220. |
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W. Dilthey: Der Aufbau der geschichtl. Welt in den Geisteswiss. (1910). Ges. Schr., hg. B. Groethuysen 7 (1926, 81992) 153. 241ff. 255ff. |
|
E. Spranger: Lebensformen. Geisteswiss. Psychologie und Ethik der Persönlichkeit (1914, 21921) 14f. 107ff. |
|
E. Beneke: Lehrb. der Psychologie als Naturwiss. § 256 (1833, 21845) 234. |
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A. Meinong: Psycholog.-eth. Unters. zur Werttheorie (1894) 25ff.; vgl. Art. ‹Wert III. A.›. |
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W. Wundt: Logik (1880–83, 31908) 3, 15. 273f. |
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A. Döring: Philos. Güterlehre (1888) 2f. |
|
J. C. Kreibig: Psycholog. Grundlegung eines Systems der Werttheorie (1902) 3ff. |
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H. Schwarz: Die Psychologie des Willens (1900) 34. 318. |
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R. Eisler: Studien zur Werttheorie (1902). |
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Ch. von Ehrenfels: System der Werttheorie (1897/98) 1, 53. |
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H. Münsterberg: Philos. der W.e. Grundzüge einer Weltanschauung (1908, 21921) 73–79. |
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R. Müller-Freienfels: Grundzüge einer neuen Wertlehre. Annalen Philos. 1 (1919) 319–381, bes. 379. |
K. Wiederhold: W.-Begriff und Wertphilos. (1920). – F. Bamberger: Unters. zur Entstehung des Wertproblems in der Philos. des 19. Jh. 1: Lotze (1924). – A. Messer: Dtsch. Wertphilos. der Gegenwart (1926). – H. Seidel: W. und Wirklichkeit in der Philos. H. Rickerts: eine krit. Unters. als Beitrag zur Theorie der Beziehung (1968). – H.-G. Gadamer: Das ontolog. Problem des W. (1972), in: Kl. Schr. 4 (1977) 205–217. – G. Oakes: Weber and Rickert: Concept formation in the cultural sci. (Cambridge, Mass. 1988). – J. Gebhard: Die W.e. Zum Ursprung eines Schlüsselbegriffes der polit.-soz. Sprache der Gegenwart in der dtsch. Philos. des späten 19. Jh., in: R. Hofmann/J. Jantzen/H. Ottmann (Hg.): Anodos. Festschr. H. Kuhn (1989) 35–54. – H. Schnädelbach: Philos. in Deutschland 1831–1933 (1982,
51994) 198–231. – L. Stolowitsch: I. Kant über den W.-Begriff, in: G. Funke (Hg.): Akten des 7. Int. Kant-Kongr. (1991) II/2, 199–205.